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ECVET – Kompatibilität von Kompetenzen. Sektorbezogenes Leistungspunktesystem als Grundlage für Kompatibilität von Kompetenzen im Kfz-Sektor

 

Die Automobilbranche ist geprägt von Produkt- und Prozessinnovationen, verschärftem Wettbewerb, globalen Zuliefernetzwerken und verkürzten Innovationszeiten. Im Zuge der verschiedenen organisatorischen und technischen Strategien zur Komplexitätsbewältigung, wie sie in der Branche etabliert sind, nehmen insbesondere die Anforderungen an die Mitarbeiter in Bezug auf systemisches, vernetztes und interdisziplinäres Denken und Handeln zu. Diese Herausforderung ist europaweit hoch relevant, will die Automobilbranche weltweit weiterhin so erfolgreich sein wie bisher.

 

Gleichzeitig erfordert die zunehmend prozessorientierte Arbeitsorganisation von den Mitarbeitern ein hohes Maß an Selbststeuerung und Verantwortung für die Qualität und Effizienz ihrer Arbeit. Eine Voraussetzung des europäischen Automobilsektors für die notwendige hohe Innovationskraft der Unternehmen ist die Fähigkeit der Mitarbeiter, komplexe Anforderungen bei höchster Qualität zu bewältigen, um damit einen Beitrag zur globalen Wettbewerbsfähigkeit bei hoher Innovationskraft zu leisten.

Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, setzt die europäische Automobilindustrie nicht nur auf berufliche Erstausbildung, sondern hat ausdifferenzierte Weiterbildungskonzepte entwickelt. Diese strukturiert allerdings jeder Hersteller nach seinen eigenen Vorstellungen mit der Absicht, dadurch höchste Qualität in Service, Reparatur und Herstellung von Kraftfahrzeugen zu erzielen. Um die allein firmenspezifischen Lösungen zu überwinden und eine strategisch-europäische Orientierung zu bekommen, bietet es sich an, eine Bewertung der vorherrschenden, hoch entwickelten Qualifikationsprofile nach einem europäisch nutzbaren Punktebewertungssystem vor zu nehmen. 

Automobilhersteller haben sowohl für die Produktion als auch für Service und Reparatur klar definierte Qualifikationsprofile für die Ebene der Erstausbildung und auch der Weiterbildung. Diese spielen nicht  nur national, sondern auch europäisch und weltweit eine zentrale Rolle für die Qualitätssicherung. Die Profile sind immer auch Ausdruck der jeweiligen Unternehmensstrukturen und Erfolgsvorstellungen, die in diesem Sektor unter globalen Gesichtspunkten vorherrschen. Sie sind auch gleichzeitig Ausdruck des bisherigen Erfolges der europäischen Autoindustrie, der sehr beträchtlich ist. Allerdings ist es nicht allein die strukturelle Gestaltung der Qualifikationsprofile, die zum Erfolg beiträgt, sondern es sind auch die damit in Verbindung stehenden Qualifizierungsprozesse.

Aus dieser kurzen Situationsanalyse resultiert die Erkenntnis, dass eine intensive Auseinandersetzung mit den Qualifikationsstrukturen und Qualifikationsprozessen in der Automobilindustrie (vor allem im Kfz-Service) im Zusammenhang mit nationalen Qualifikationsrahmen und ECVET, eine erhebliche Chance bietet,

• nicht nur Einsichten über Strukturierungsgrundsätze sektoraler Qualifikationsrahmen und Bewertungssysteme zu gewinnen, sondern auch

• sektorale Ausrichtungen für Ideen zur punktebezogenen Bewertung von Qualifikationsrahmen auf der Grundlage von Domänen und beruflicher Handlungskompetenz zu gewinnen und dafür,

• wie solche Rahmen mit einem NQF/DQF und EQF in Verbindung gebracht werden können, ohne dabei

• die berufliche Handlungskompetenz in Frage zu stellen.

Lässt sich ein Lösungsansatz im Automobilsektor aufzeigen, so kann dieser  beispielhaft für andere Sektoren stehen.